Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Jüdische Zwangsarbeiter:innen in Leipzig

Jüdische Zwangsarbeiter:innen in Leipzig

Projekt von Ehrenamtlichen der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig im Rahmen von „Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ - Broschüre und Veranstaltungsreihe

 

"Ich halte es hier nicht mehr lange aus.
Wir hausen alle auf dem Boden der
früheren Turnhalle in der Carlebach–Schule.
Jeden Tag holen sie Leute heraus und
schicken sie nach Polen.
Nur wer Arbeit hat, darf bleiben."

Auszug aus einem Brief von Lina Rochmann an ihre Tochter Berta in Rumänien vom 21. Januar 1940
(In: None of them were Heroes: Letters between the Lines 1938-1942, Chaim Rockman, 2003, Jerusalem. S. 226. (eigene Übersetzung)

„Ich halte es hier nicht mehr lange aus …“ – schreibt die Leipziger Jüdin Lina Rochmann im Frühjahr 1939 in einem Brief an ihren nach England geflohenen Sohn. Dieser eindrückliche Satz beschreibt nicht nur ihre eigene verzweifelte Situation, die von Hunger, Entbehrung und Zwangsarbeit auf der städtischen Mülldeponie geprägt ist. Er steht stellvertretend für ein Schicksal, das zahllose Jüdinnen und Juden im nationalsozialistischen Leipzig mit ihr teilen mussten.  So gilt er für die Mehrheit der Leipziger Jüdinnen und Juden, die wie Lina Rochmann bereits lange vor dem Zweiten Weltkrieg unterschiedliche Formen der Zwangsarbeit in Leipzig verrichten mussten, und deren Schicksal bislang weitestgehend unerforscht geblieben ist. Er gilt aber ebenso für die jüdischen Frauen, die ab 1944 nach Leipzig verschleppt wurden, um hier in einem Außenlager des KZ Buchenwald Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie zu verrichten.

Im Mittelpunkt dieser Broschüre stehen die Stimmen der jüdischen Zwangsarbeiter:innen. Briefe, Erinnerungen und Fotos erzählen von Entrechtung und Demütigung, ebenso wie von Solidarität und Hoffnung. Den Selbstzeugnissen der Betroffenen sind dabei ausführliche Einführungstexte vorangestellt, die den aktuellen Forschungsstand und bestehende Forschungslücken zusammenfassen. Die Broschüre möchte dazu beitragen, Geschichte anhand der Biografien einzelner Menschen niedrigschwellig und zugleich wissenschaftlich fundiert nachvollziehbar zu machen. Wir laden alle Interessierten dazu ein, sich mit einem bislang wenig beleuchteten Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte auseinanderzusetzen, und möchten dabei auch einen Anstoß geben, das Thema weiter zu erforschen und bekannter zu machen.

Entstanden ist die Broschüre im Rahmen von „Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ in einer Arbeitsgruppe von Ehrenamtlichen der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Wie auch sonst in der Arbeit der Gedenkstätte war der Kontakt zu Angehörigen und Nachfahr:innen ehemaliger Zwangsarbeiter:innen ein besonders wichtiger Teil des Projekts. Ihre Unterstützung hat es uns an vielen Stellen überhaupt erst ermöglicht, die Geschichte von Opfern und Überlebenden zu erzählen und durch Fotografien und weitere Dokumente lebendig werden zu lassen. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Gefördert wurde das Projekt durch das Referat Strategische Kulturpolitik der Stadt Leipzig.

Leipzig, Oktober 2026
Tina Bähringer, Anne Friebel, Lea Guhlmann, Lilith Günther, Leonard Kiebel

Broschüre: "Ich halte es hier nicht mehr lange aus ..." Jüdische Zwangsarbeiter:innen in Leipzig
Download als PDF (3,3 MB)

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