Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - 5. Vernetzungstreffen „NS-Zwangsarbeit in Sachsen – Nachnutzung und Sichtbarmachung“ in Plauen

Am 25. Oktober 2025 fand in Plauen, Vogtland, das 5. Vernetzungstreffen „NS-Zwangsarbeit in Sachsen“ mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Sachsen, darunter zahlreiche Studierende der TU Dresden, statt. 

80 Jahre nach Kriegsende lag der Fokus des diesjährigen Treffens auf den Monaten nach der Befreiung 1945, in denen Lager der NS-Zwangsarbeit umgenutzt und weitere neue temporäre Stätten zur Unterbringung von displaced persons, die DP-camps, entstanden. Obwohl sie für viele Menschen eine Station auf dem Weg zurück in ihre Heimat, für andere die Vorbereitung zur Auswanderung waren, erinnert an vielen Orten nichts mehr an diese Stätten. Mit dem Treffen wollten die AG „Stätten der NS-Zwangsarbeit in Sachsen“ zusammen mit dem Plauener Verein colorido e.V. zu ihrer Sichtbarmachung beitragen. Die Geschichte dieser Camps kann jedoch nicht geschrieben werden, ohne sich mit Ausmaß und Art der der Zwangsarbeit – geleistet von zahlreichen verschiedenen Betroffenengruppen im Nationalsozialismus zu befassen. Entsprechend begann das Vernetzungstreffen mit einer von colorido e.V. vorbereiteten Exkursion zu Stätten der NS-Zwangsarbeit in Plauen. 

Die Stadt im Vogtland war ein Standort der Kriegsindustrie und damit auch ein Zentrum der Zwangsarbeit in Sachsen. Eingesetzt wurden in verschiedenen Betrieben unter anderem Häftlinge des KZ Flossenbürgs. Die Exkursion führte zu den ehemaligen Betriebsstätten der AG Baumwollspinnerei, dem Gelände der ehemaligen PLAMAG, wo sich die Firma Dr. Th. Horn befand, und zum ehemaligen Gelände der Anfertigung von Panzern durch die VOMAG. Die „Panzerbrücke“ ist die einzige noch vorhandene Spur des Betriebs. An die Zwangsarbeit für die Firma Osram erinnert heute eine von der Stadt Plauen angebrachte Stele. Dort tauschten sich die Teilnehmenden über Art und Format von Beschilderungen von Stätten der NS-Zwangsarbeit aus. Den Abschluss der Exkursion bildete die Besichtigung der erst seit einigen Jahren bekannten Mauerreste der 1938 zerstörten Synagoge, die erst 1933 eingeweiht worden war. Die wenige Meter entfernt aufgestellte Gedenktafel aus Buntmetall ist vor einiger Zeit gestohlen worden.

Im Anschluss hielt die Historikerin Dr. Katherine Lukat (Sachgebietsleitung Gedenkstätten Stadtarchiv Wiesbaden) einen Vortrag über NS-Zwangsarbeit und die Situation der Betroffenen am Kriegsende. Sie schöpfte dabei aus ihrer 2020 publizierten Doktorarbeit zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen in Zwangsarbeitslagern in Plauen und im Vogtland. In diesem Zusammenhang erläuterte Lukat Rechercheergebnisse zu Biografien von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und die Errichtung lokaler Erinnerungsorte. 

Am Nachmittag standen zwei vertiefende Workshops zu den Themen Spurensuche, Erfassung und Sichtbarmachung zur Auswahl. Jana Dütsch und Dr. Maximilian Schulz (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg) stellten in ihrem Workshop das Online-Archiv Memorial Archives als Recherchetool zu KZ-Häftlingen in Plauen vor. Ebenso wurden aktuelle Vermittlungsansätze der Gedenkstättenarbeit präsentiert. Daraus resultierte ein angeregter Austausch der Teilnehmenden über die Sichtbarmachung der Plauener Außenlager. 

Isabel Panek (Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig) thematisierte im zweiten Workshop die Nachnutzung von Zwangsarbeitslagern als DP-Camps. Dabei arbeitete sie mit verschiedenen zeitgenössischen Aufnahmen aus Camps in Leipzig und forderte dazu auf, sich in Kleingruppen mit den dargestellten Orten, den abgebildeten Personen und Situationen auseinanderzusetzen. Auch in dieser Gruppe entwickelte sich eine Diskussion um die bessere Vermittlung dieser besonderen historischen Orte.

Dafür, dass Stätten der NS-Zwangsarbeit und deren weitere Geschichte erfasst und sichtbar gemacht werden, leisten lokale Akteure wie der colorido e. V. grundlegende Arbeit mit großem Engagement. Das diesjährige Vernetzungstreffen zeigte zudem das Potential digitaler Recherchedatenbanken sowie die Chancen interdisziplinärer und überregionaler Zusammenarbeit für die Erschließung, Vermittlung und Sichtbarmachung dieser Orte.

Die AG „Stätten der NS-Zwangsarbeit in Sachsen“ dankt dem colorido e. V. für die Organisation des Treffens und die Exkursion, der WBS Training Schulen GmbH für die Bereitstellung der Tagungsräume sowie den Referierenden und Teilnehmenden für wichtige Impulse und ein gelungenes Vernetzungstreffen!

Die AG wird gemeinsam getragen von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG), der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (GfZL), dem Landesamt für Archäologie Sachsen, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT).

 

Literaturhinweis:
Lukat, Katherine (2020). Zwangsarbeit in Plauen im Vogtland: Lebens- und Arbeitsbedingungen ausländischer Zivilarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge im Zweiten Weltkrieg. Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag.

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