Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Historisch-politische Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen im öffentlichen Raum: Chancen und Herausforderungen

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4. bis 5. November 2021

Historisch-politische Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen im öffentlichen Raum: Chancen und Herausforderungen

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4. bis 5. November 2021
Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

NS-Verbrechen fanden an vielen Orten statt: in großen Konzentrationslagern und Haftstätten, aber insbesondere auch an „kleinen Orten“, deren Geschichte heute weitgehend unbekannt und nicht mehr sichtbar ist. So überspannte beispielsweise ein dichtes Netz an NS-Zwangsarbeitslagern das gesamte damalige Deutsche Reich. In jeder Stadt und in jedem Dorf prägten die Lager- und Einsatzorte für zivile Zwangsarbeiter*innen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge den Alltag der dort lebenden deutschen Bevölkerung.

Für die lokalhistorische Vermittlungsarbeit sind diese „kleineren“ ehemaligen Lager- und Einsatzorte von besonderer Bedeutung: Sie ermöglichen es, geschichtliche Ereignisse näher mit der Lebenswelt und dem Wohnumfeld von Jugendlichen zu verknüpfen. Durch den Einbezug bekannter und z.T. auch vertrauter Straßen, Orte oder auch Firmen wird Geschichte konkreter und rückt näher an die eigene Erfahrungswelt der Teilnehmenden heran. Diese lokalhistorische Perspektive kann zu einer Spurensuche „vor der eigenen Haustür“ anregen und bereits Bekanntes neu erfahrbar machen.

Neben den vielen Chancen und Potentialen, die die Arbeit mit solchen Orten für die historisch-politische Bildungsarbeit mit sich bringt, stellt sie uns aber auch vor einige Herausforderungen: Dem Großteil der Orte ist es gemein, dass heute kaum noch etwas an ihre einstige Verwendung während der NS-Zeit erinnert. Viele der genutzten Gebäude sind nicht mehr existent oder wurden in den vergangenen Jahrzehnten baulich stark verändert. Zugleich sind zu manchen Orten nur wenige historischen Quellen vorhanden, was eine multiperspektivische Annäherung auf den ersten Blick erschweren kann. Neben der materiellen Überlieferung stellen uns diese „kleineren Orte“ aber auch vor ganz praktische Herausforderungen, denn an den wenigsten ehemaligen Lager- und Einsatzorten sind didaktisch aufbereitete Lernorte entstanden. Demnach findet die Vermittlungsarbeit meist direkt im öffentlichen städtischen oder ländlichen Raum statt. Dieses Lernsetting hat einen enormen Einfluss auf die Methodenauswahl und die in den Projekten entwickelten Ergebnisse.

Diese unbekannten „kleineren Orte“, an denen die Spuren von NS-Verbrechen kaum bis gar nicht mehr sichtbar sind, bieten sich trotz dieser Herausforderungen an, spannende partizipative und experimentelle Vermittlungsansätze zu entwickeln. Unter dem Label „Spurensuche“ wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche (Jugend-) Projekte initiiert und vielfältige Vermittlungsformate entwickelt, um sich der Vielschichtigkeit von historischen Orten zu nähern. So entstanden beispielsweise regionale Geschichtslabore zur Erforschung unbekannter Orte, Audio-Walks, Fotoprojekte, archäologische Workshops und vieles mehr.

Im Rahmen eines zweitägigen Workshops wollen wir mit Multiplikator*innen, die in verschiedenen Lernsettings lokalhistorische Bildungsprojekte durchführen, zusammenkommen und uns über eigene Erfahrungen, praktische Herausforderungen, Methoden sowie bewährte und neue Vermittlungsansätze austauschen. Dabei sollen folgende Fragen im Fokus stehen: Welche interaktiven und partizipativen Methoden eignen sich für eine gemeinsame, aber auch individuelle Spurensuche im Stadtraum sowie in ländlichen Regionen? Welche digitalen Medien sind dabei hilfreich und ermöglichen neue Zugänge? Wie können Ergebnisse lokaler Spurensuche für nachfolgende Bildungsprojekte zugänglich gemacht werden?

Ein detailliertes Programm werden wir Ende Juli 2021 veröffentlichen.

Wir freuen uns über Ihre Anmeldung bis zum 1. August 2021!

Anmeldung unter: bildung(at)zwangsarbeit-in-leipzig.de

 


Der Workshop wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Förderprogramms „Jugend erinnert.


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