Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Filmvorführung + Gespräch: ZUSTAND UND GELÄNDE

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Donnerstag, 16. September 2021, 19:00 Uhr

Filmvorführung + Gespräch: ZUSTAND UND GELÄNDE

+++ Es gilt die "3G-Regel" nach der aktuellen sächsischen Corona-Schutzverordnung. Bitte Nachweise über vollständigen Impfschutz, Genesung oder Test mitbringen! +++

Veranstaltungsort: UT Connewitz, Wolfgang-Heinze-Straße 12a, 04277 Leipzig
Der Eintritt ist frei.

Ute Adamczewskis Dokumentarfilm ZUSTAND UND GELÄNDE erzählt die Geschichte einer Eskalation.

Ausgangspunkt des Films sind sogenannte wilde Konzentrationslager, die unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ab März 1933 zur Ausschaltung politischer Gegner*innen eingerichtet wurden und heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. ZUSTAND UND GELÄNDE handelt von den Überschreibungen der Orte durch die Zeit und davon, wie sich unterschiedliche politische Erinnerungskulturen in sie eingeschrieben haben. Der Film verknüpft drei aufeinanderfolgende Zeiträume der deutschen Geschichte zu einem losen Narrativ, in dem Gewalt zur Durchsetzung von Macht eine wesentliche Rolle spielt.

Bilder von Straßen, Wohnhäusern, Schlössern und Burgen aus Sachsen treffen auf aus dem Off verlesene bürokratische Briefwechsel, Tagebucheinträge, literarische Fragmente. Zu Beginn entstammen sie dem Jahr 1933, kreisen thematisch um die Suche nach, später die Organisation von Schutzhaft- und Konzentrationslagern, der Unterdrückung bzw. dem Widerstand der politischen Opposition, von traumatischen Erfahrungen. Nach und nach kommen neue Zeitschichten hinzu – 1945, 1977, 1990, 2011 – und mit ihnen Diskurse der Erinnerungskultur – der Repräsentation dieser Ereignisse, der Etablierung von Denkmälern, der Definition des Begriffs „Opfer des Faschismus“. Auge und Ohr werden voneinander getrennt, die Gegenwart der Orte im Bild trifft auf deren Nutzung und Deutung in diversen, historischen Schichten im Ton. So erzählt ZUSTAND UND GELÄNDE nicht nur von Orten, die im Nationalsozialismus gleich zu Beginn Teil einer netzartigen faschistischen Infrastruktur wurden, sondern die später – nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Ende der DDR, in der gesamtdeutschen Gegenwart der NSU – umkämpfte Räume einer Deutungshoheit von Geschichte und Legitimation politischer Linien wurden.

Daraus entsteht das drückende Gefühl eines Insistierens der Vergangenheit auf eine Gegenwart, wird Geschichte als Ge-schichtetes begreifbar, in jedem Bild potenzieren sich die Zeitpunkte und Zeiträume und beharren auf ihr Jetzt.

 

Deutschland 2019 |  118 Minuten | DCP 2K | deutsche Originalfassung | Buch, Schnitt, Produktion und Regie: Ute Adamczewski | Zusammenarbeit, Titel: André Siegers | Bild: Stefan Neuberger | Tongestaltung: Ludwig Berger | Stimme: Katharina Meves | Farbkorrektur: Stefan Neuberger | Mischung: Jochen Jezussek | Übersetzung: Stephen Grynwasser | Übersetzung: Stefan Pethke | gefördert durch Medienboard Berlin-Brandenburg

weitere Informationen und Trailer hier: grandfilm.de/zustand-und-gelaende/

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und im Rahmen einer Filmtour statt. Mehr dazu hier: slag-aus-ns.de/projekte/fruehe-konzentrationslager-in-sachsen-filmtour-zustand-und-gelaende/

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