Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - ABGESAGT: Jahrhundertzeuge Ben Ferencz - Lesung und Vortrag mit Dr. Philipp Gut

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Donnerstag, 5. November 2020, 19:00 Uhr

ABGESAGT: Jahrhundertzeuge Ben Ferencz - Lesung und Vortrag mit Dr. Philipp Gut

+++ Die für den 5. November 2020 geplante Buchvorstellung mit Philipp Gut haben wir leider kurzfristig abgesagt. Wir sind von verschiedenen Seiten her auf umstrittene Äußerungen des Autors in der Öffentlichkeit hingewiesen worden. Wir haben uns in unserem basisdemokratisch organisierten Verein eingehend mit diesen auseinandergesetzt und den Entschluss gefasst, den Vortrag abzusagen. +++

 

Es ist ein Sensationsfund: Der amerikanische Jurist Ben Ferencz entdeckt nach dem Zweiten Weltkrieg einen Ordner mit minutiös aufbereiteten SS-Ereignismeldungen - eine Chronik des Genozids. Der daraus folgende Einsatzgruppenprozess in Nürnberg, in dem Ferencz mit gerade einmal 27 als Chefankläger auftritt, gilt als größter Mordprozess der Geschichte. Auch danach prägt der brillante Anwalt wichtige Etappen der Zeitgeschichte an vorderster Front, von der deutschen Wiedergutmachungspolitik bis zum Aufbau des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Bis heute zählt Ferencz zu den luzidesten Stimmen der internationalen Politik.

Ein Schwerpunkt seines Wirkens in der Nachkriegszeit lag auch in den Entschädigungsverhandlungen für ehemalige KZ-Zwangsarbeiter_innen mit der deutschen Industrie. Als Anwalt und Unterhändler der Conference on Jewish Material Claims Against Germany setzte sich Ferencz für eine bescheidene Genugtuung für die KZ-Arbeitssklaven ein. Er erreichte so Abkommen mit der I.G. Farben, mit Krupp, der AEG, Siemens und Rheinmetall. Dennoch blieb seine Bilanz kritisch: Nur wenige deutsche Unternehmen, die von der Zwangsarbeit profitiert hatten, zahlten überhaupt etwas. Und wenn, dann weniger aus Einsicht denn aus Imagegründen.

Der Schweizer Journalist, Historiker und Kommunikationsberater Philipp Gut hat den im März 2020 100 Jahre alt gewordenen Ben Ferencz zu ausführlichen Gesprächen getroffen. Anschaulich erzählt er das Leben eines grossen Kämpfers für Gerechtigkeit und lässt anhand der Biografie dieses faszinierenden Zeitzeugen die Geschichte des 20. Jahrhunderts lebendig werden.

Dr. Philipp Gut, geboren 1971, ist Journalist, Historiker, Buchautor und Inhaber einer Kommunikationsagentur. Seine Dissertation über das politische Denken Thomas Manns (erschienen bei S. Fischer) wurde mit dem Förderpreis der Deutschen Thomas Mann Gesellschaft ausgezeichnet. Er hat ausserdem Bücher über Winston Churchill und Hermann Hesse verfasst.

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