Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Doppelte Vergangenheit und Totalitarismusparadigma. Geschichtspolitische Diskurse und Entwicklungen seit 1990 im Land Sachsen. Ein Workshop für Akteur_innen der historisch-politischen Bildungsarbeit

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Freitag, 27. April / Samstag, 28. April 2018

Doppelte Vergangenheit und Totalitarismusparadigma. Geschichtspolitische Diskurse und Entwicklungen seit 1990 im Land Sachsen. Ein Workshop für Akteur_innen der historisch-politischen Bildungsarbeit

Die sächsische Erinnerungslandschaft ist durch die „doppelte Vergangenheit“ von Nationalsozialismus und DDR geprägt, was in den letzten Jahren immer wieder zu Konflikten zwischen Opferverbänden bzw. zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren geführt hat. Obwohl sich in den 1990er Jahren Politik und Gedenkstättenwesen auf die so genannte Faulenbach-Formel als Kompromissformel geeinigt hatten, die eine Relativierung von NS-Verbrechen durch die Aufarbeitung von DDR-Unrecht ausschließt, lässt sich in Sachsen diesbezüglich eine wiederkehrende Konfliktsituation beobachten. Wesentlich für dieses Phänomen ist die anhaltende Konjunktur des Totalitarismusparadigmas.

Vor diesem Hintergrund strebt der Workshop „Doppelte Vergangenheit und Totalitarismusparadigma“ eine Bestandsaufnahme der Erinnerungskultur in Sachsen anhand authentischer Orte an und will deren gesellschaftspolitische Implikationen thematisieren. Dabei wird eine kritische Perspektive verfolgt hinsichtlich der Konsequenzen, die jenes Paradigma für das Geschichtsbewusstsein und die historisch-politische Bildungsarbeit besitzt.

So sollen zum einen die Gefahren einer Entdifferenzierung von Geschichte für deren pädagogische Vermittlung vor Augen geführt werden, durch die die Spezifik beider Vergangenheiten verloren zu gehen droht. Zum anderen soll die geschichtspolitische Zielsetzung hinterfragt werden, die dem Totalitarismusansatz zugrunde liegt: Denn mit dem damit verbundenen Narrativ von der Überwindung zweier Diktaturen wird deutsche Geschichte zu einer Erfolgsgeschichte reduziert. Das kritische Potential, das jeder Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und DDR-Unrecht innewohnen sollte und mit dem sich Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen problematisieren lassen, geht damit verloren.

Der Workshop richtet sich an Multiplikator_innen und Akteur_innen im gedächtniskulturellen Feld im Land Sachsen. Entsprechende inhaltliche Vorkenntnisse werden erwartet.

Teilnahme nur mit Anmeldung. Anzahl der Teilnehmer_innen: 20-25
Teilnahmegebühr: 10,00 EUR
Kontakt: jonas.kuehne(at)zwangsarbeit-in-leipzig.de

Der Workshop wird finanziell unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen und die Stiftung Zeitlehren.

 

KUBUS, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung / Wissenschaftspark, Permoserstraße 15
Tram 3 (Permoser / Torgauer Straße)

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