Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Giovanni Magnabosco

Giovanni Magnabosco wurde am 1. April 1897 in der italienischen Gemeinde Zugliano in der Nähe von Vicenza geboren. Nach dem Schulabschluss begann er im Betrieb seines Vaters eine Schneiderlehre. Anschließend diente er in der italienischen Armee und wurde Offizier. Als überzeugter Mussolini-Anhänger nahm Giovanni Magnabosco im Oktober 1922 am "Marsch auf Rom" teil. Ab 1935 war er als Soldat in Abessinien (heute Äthiopien) im Einsatz, später in Albanien.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 sollte auch Giovanni Magnabosco als Angehöriger einer verbündeten Armee an die Ostfront versetzt werden. Er entschied sich stattdessen aber für einen Einsatz im Deutschen Reich und wurde Kommandant eines Kriegsgefangenenlagers der Erla Maschinenwerke GmbH. Der zweitgrößte Leipziger Rüstungsbetrieb produzierte Jagdflugzeuge für die deutsche Luftwaffe und setzte dazu tausende Zwangsarbeiter_innen ein.

Nach dem Zusammenbruch des italienischen Faschismus im Herbst 1943 änderte sich der Status der italienischen Soldaten radikal - aus den Verbündeten wurden Feinde. Diejenigen, die sich weigerten, in den Reihen der Wehrmacht weiter zu kämpfen, wurden zu Militärinternierten erklärt. Sie wurden festgenommen, entwaffnet und von den Deutschen zur Zwangsarbeit eingesetzt. In der NS-Rassenhierarchie bildeten sie eine der untersten Stufen. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen waren schlechter als die vieler anderer Zwangsarbeiter_innen.

Auch Giovanni Magnabosco wurde so ab 1943 zum italienischen Militärinternierten (IMI) und musste für die Erla-Werke Zwangsarbeit verrichten. Gemeinsam mit 500 anderen Italienern war er im "Gasthof Thekla" in der Bölckestraße 120 (heute Tauchaer Straße) untergebracht, den die Firma als Lager angemietet hatte. Die dort einquartierten Zwangsarbeiter mussten im Hauptwerk der Erla-Werke in der Wodanstraße 40 arbeiten.

Trotz des Kontaktverbots zwischen Deutschen und Zwangsarbeiter_innen hatte Giovanni Magnabosco eine Liebesbeziehung mit einer Leipzigerin. Im Juni 1944 wurde eine gemeinsame Tochter geboren, deren Herkunft die Mutter bis Kriegsende verheimlichen musste.

Nach Kriegsende blieb Giovanni Magnabosco vorerst in Leipzig. Im Dezember 1945 musste er jedoch auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) nach Italien zurückkehren. Dort nahm er seinen Beruf als Schneidermeister wieder auf.

Am 11. Januar 1983 verstarb Giovanni Magnabosco im Alter von 86 Jahren in Vicenza.

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