Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Danuta Brzosko-Mędryk

Danuta Brzosko-Mędryk wurde am 4. August 1921 im polnischen Pułtusk in der Nähe von Warschau geboren. 1935 zog die Familie nach Warschau. Dort war Danuta Schülerin des Królowa-Jadwiga-Lyzeums, bis ihr 1939 nach dem Einmarsch der Deutschen der Schulbesuch verwehrt wurde. Sie setze den Schulbesuch aber illegal fort und wirkte gleichzeitig im konspirativen Pfadfinderbund und im „Bund für den bewaffneten Kampf“ ZWZ („Związek Walki Zbrojnej“) mit. Sie wollte Ärztin oder Schriftstellerin werden. Im Sommer 1940 wurde sie gemeinsam mit Schulkameradinnen und Lehrer_innen verhaftet und in das Gestapo-Gefängnis Pawiak in Warschau eingewiesen. Nach drei Wochen wurde sie wieder entlassen und im Sommer 1942 erneut verhaftet.

Vom Pawiak-Gefängnis wurde Danuta Brzosko im Januar 1943 in das Konzentrationslager Majdanek eingewiesen. Zusammen mit anderen „politischen“ Häftlingen gründete sie das illegale „Radio Majdanek“, das die Häftlinge informierte und die Solidarität untereinander organisierte. Im April 1944 wurde sie in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück überstellt. Von dort wurde sie im Juni 1944 nach Leipzig gebracht und in das neu errichtete KZ „Hasag-Leipzig“ eingewiesen, das größte Frauen-Außenlager des KZ Buchenwald.

Die dort inhaftierten, mehr als 5.000 weiblichen KZ-Häftlinge, waren in einem umgebauten Fabrikgebäude in der heutigen Kamenzer Straße in der Nähe des Werksgeländes des Rüstungskonzerns HASAG untergebracht. Sie mussten für die Firma Zwangsarbeit leisten und in 12-Stunden-Schichten Munition und Panzerfäuste herstellen. Danuta Brzosko beteiligte sich hier an Sabotage-Aktionen:

„Wir beschädigten die Maschinen absichtlich und rechtfertigten uns damit, dass wir uns damit nicht auskannten. Wir gossen Öl in die Präzisionsmaschinen, schütteten Späne in die Gewinde und produzierten Auschüsse – doch die polnische Kontrolle ließ sie durchgehen.“ (Zitat aus ihrem Buch „Matylda“)

Im Lager entstand auch ein reiches kulturelles Leben:

„Erschöpft nach zwölfstündiger Arbeit, nach den Appellen, in den freien Augenblicken versammelten wir uns in den Winkeln der Baracken, in den Kellern, [...] um andere zu unterrichten, uns zu bilden, um Gedichte und Lieder mit geschmuggeltem Bleistift auf gestohlenes Papier zu schreiben. Aus diesen Treffen entstanden unsere kulturellen Aufführungen. [...] Diese Aufführungen machten es uns möglich, uns von der Wirklichkeit loszureißen, das kulturelle Erbe unserer Völker zu zeigen und damit auch den Zusammenhalt zwischen den Nationen zu verstärken. Wir haben bewiesen, daß wir, durch Unrecht versklavt, im Geiste frei waren.“ (Rede zum 51. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds, April 1996)

Befreiung und Nachkriegszeit

Als das Lager im April 1945 geräumt wurde, wurde sie mit den anderen Häftlingen auf einen Todesmarsch quer durch Sachsen geschickt und schließlich in der Nähe von Wurzen am 26. April 1945 durch kanadische Truppen befreit.

Danuta Brzosko-Mędryk kehrte nach Polen zurück und wurde Zahnärztin. Parallel dazu begann sie Romane zu schreiben, in denen sie vor allem ihre Erfahrungen im KZ und während des Krieges thematisierte (und die leider bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurden): „Niebo bez ptaków“ („Himmel ohne Vögel“), „Matylda“ und „Powiedz mojej córce“ („Sag es meiner Tochter“). Später schrieb sie auch Filmdrehbücher. Sie war Mitglied des polnischen Schriftstellerverbandes und in der Friedensbewegung aktiv. Sie trat als Zeugin in mehreren Prozessen gegen NS-Verbrecher_innen auf, u.a. im Düsseldorfer Majdanek-Prozess. Sie ist für ihre Verdienste mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen und 1989 mit dem Aachener Friedenspreis. Außerdem engagierte sie sich in der Gedenkstätte Majdanek und im Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos, in dem sie von 1996 bis 2001 die ehemaligen weiblichen Häftlinge des KZ Buchenwald vertrat.

Danuta Brzosko-Mędryk kehrte immer wieder nach Leipzig zurück. Im September 1988 sprach sie auf dem Augustusplatz (damals Karl-Marx-Platz) anlässlich des „Gedenktags für die Opfer des faschistischen Terrors“ vor Tausenden von Menschen:

„Vor Ihnen steht eine Frau, welcher der Faschismus und der Krieg 3 Jahre der Jugend und die Gesundheit geraubt haben. In diesen Jahren war ich mit meinen Kameradinnen im Warschauer Gefängnis Pawiak und später in den Konzentrationslagern Majdanek, Ravensbrück und Buchenwald und auch hier im Außenlager Schönefeld. Ich war Teilnehmer des Todesmarsches der uns über Oschatz nach Wurzen führte. Sie können mich fragen, wofür wir eingekerkert wurden! Die Antwort ist kurz: Weil wir lernen wollten. Für die polnische Jugend waren die Schulen durch die Faschisten geschlossen worden, und das geheime Lernen und Studieren wurde mit Gefängnis bestraft.“

Sie endete mit den Worten:

„Liebe Freunde! Ihnen allen, den Ältesten und, den Jüngsten, wünsche ich ein Leben unter friedlichem Himmel und daß Sie nie die Detonation von Bomben aus dem Schlaf reißen möge. Mögen die Kinder der Erde das Wort "Haß" vergessen und stets nur Liebe und Freundschaft kennenlernen!“

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