Arbeitserziehungslager Zöschen

Nationalität/ Herkunft: Polen (Männer), Italien (Männer), Sowjetunion (Männer), Jugoslawien (Männer), Niederlande (Männer), Protektorat Böhmen und Mähren (Tschechien, Männer), Belgien (Männer), Frankreich (Männer)

Lage: Zöschen

Häftlinge aller Nationalitäten, vor allem „Ostarbeiter“, Italiener, Franzosen, Belgier, Niederländer, Polen, Tschechen, Jugoslawen, u.a.

Informationen: Nachdem das Arbeitserziehungslager Spergau Ende Juli 1944 bei einem Luftangriff vollständig zerstört wurde, plante die Gestapo ein neues Internierungslager in Zöschen. Die Häftlinge waren in der Zwischenzeit in einem Lager in Schkopau einquartiert.

Im August 1944 begannen auf einem Feld in Zöschen die Bauarbeiten, die von den AEL-Häftlingen selbst ausgeführt wurden. Im September erfolgte die erste Belegung mit niederländischen
Zwangsarbeitern. Die Unterkünfte waren zunächst provisorische Rundhütten aus Hartfaserplatten mit etwa 6 bis 7 Meter Durchmesser für bis zu 30 Personen. Betten gab es nicht, die Häftlinge schliefen auf Stroh auf dem Boden. Ihre tägliche Zwangsarbeit bestand in der Errichtung von Beton-Baracken und im weiteren Aufbau des Lagers.

Etwa 5.000 Häftlinge haben das AEL Zöschen bis Kriegsende durchlaufen, mehr als 500 von ihnen wurden durch die Leipziger Gestapo dorthin eingewiesen. Die durchschnittliche Haftdauer betrug vier Monate. Während dieser Zeit mussten die Häftlinge schwere Zwangsarbeit verrichten – beim Lageraufbau, auf Rittergütern und bei Bauern in der Umgebung, und vor allem in den nahe gelegenen Leuna-Werken, wo sie zu Transport- und Aufräumarbeiten eingesetzt wurden.

Nach Ende der Haftdauer wurden die Häftlinge zumeist an die Arbeitsämter oder an ihren alten Arbeitsplatz zurück überstellt. Die Gestapo überwies aber auch viele Häftlinge in Konzentrationslager oder Polizeigefängnisse. 517 Häftlinge starben im AEL Zöschen, 97 Häftlingen gelang die Flucht.

Quellen/ Literatur

Artikel von Susanne Göhricke und Ralf Schade in den Jahrbüchern des Heimat- und Geschichtsvereins Zöschen e.V. (2012-2017)