KZ-Außenlager "Leipzig-Thekla", Abtnaundorf

Lage: Theklaer Straße / Heiterblickstraße

Träger: Erla-Maschinenwerke GmbH, Werk III

etwa 1.800 männliche KZ-Häftlinge

Informationen: Anfang März 1943 wurde das KZ "Leipzig-Thekla" errichtet, als erstes Außenlager von Buchenwald in Leipzig. Das Lager trug den Decknamen „Emil“ und bestand aus drei Standorten:
1. An der Sandgrube (Thekla), Theklaer Straße,
2. in Abtnaundorf am Werk III (Theklaer Straße / Heiterblickstraße),
3. in Heiterblick am Werk I (Wodanstraße).

Das Konzentrationslager in Leipzig-Abtnaundorf wurde von September bis Dezember 1943 direkt auf dem Betriebsgelände des Erla-Werks III errichtet. Den Lager-Aufbau führten vor allem KZ-Häftlinge aus dem 500m nördlich gelegenen ersten Lagerstandort "Leipzig-Thekla" aus.

Ende Dezember wurden 900 männliche KZ-Häftlinge aus Buchenwald in das KZ in Abtnaundorf überstellt: überwiegend „politische“ Häftlinge aus Polen, Frankreich, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Die meisten Häftlingstransporte kamen an den Bahnhöfen Leipzig-Thekla und Leipzig-Schönefeld an, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Konzentrationslagern befanden. Außerdem wurden die Häftlinge, die bis dahin im KZ-Standort an der Sandgrube inhaftiert waren, hierher verlegt.

Das Lager bestand aus fünf Holzbaracken, einem Krankenrevier und Wirtschaftsgebäuden. Es war mit Stacheldraht eingezäunt und durch ein Tor direkt mit dem Werk verbunden.

Die Lagerleitung oblag SS-Oberscharführer Karl Blumenroth und SS-Hauptscharführer Paul Götz.

1943 waren bei den Erla-Werken bereits mehr als 2.000 KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt. 1944 wurden weitere 1.800 Häftlinge aus Buchenwald in das Außenlager „Leipzig-Thekla“ überstellt. Im März 1945 befanden sich noch knapp 1.500 KZ-Häftlinge in den Lagern. Die KZ-Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit in der Flugzeugproduktion, sowie bei Bau- und Auf­räumarbeiten außerhalb der Werksgelände eingesetzt. Im Werk III arbeiteten ausschließlich KZ-Häft­linge. Ihre Arbeit, die sie unter Aufsicht der deutschen Meister und Vorarbeiter auszuführen hatten, umfasste vor allem Tätigkeiten der Endmontage von Tragflächenteilen, Leiteinrichtungen und Fahr­werkaufhängungen. Sie mussten in Tages- und Nachtschichten je zwölf Stunden ohne Ruhetag arbei­ten. Geringe Essensrationen und fehlendes Schuhwerk erschwerten die Lebensbedingungen zusätz­lich. Schwer kranke und arbeitsunfähige Häftlinge wurden nach Buchenwald zurückgeschickt und durch neue Arbeitskräfte ersetzt. Mehr als 100 Menschen starben in den Lagern. Weitere kamen bei alliierten Bombardements gegen die Rüstungsbetriebe ums Leben.

Ab Februar 1945 trafen große Evakuierungstransporte von Häftlingen aus den KZ Groß-Rosen und Hessisch-Lichtenau im Lager ein. Am 13. April 1945 wurden die Lager geräumt und etwa 1.500 Häftlinge auf einen "Todesmarsch" getrieben, zu dem Tausende Männer und Frauen anderer Leipziger Konzentrationslager stießen. Der etwa 500km lange Fußmarsch quer durch Sachsen kostete viele weitere Häftlinge das Leben. Von den Tausenden, die auf diesen Marsch gingen, erlebten nur etwa 300 Menschen die Befreiung durch die Rote Armee bei Teplice (Tschechoslowakei).

Die 300 kranken und schwachen Häftlinge, die im Lager Abtnaundorf zurückgeblieben waren, wurden Opfer eines "Endphaseverbrechens", das als Massaker von Abtnaundorf in die Geschichte eingegangen ist. Dabei steckten SS-Männer am 18. April 1945 die Baracke in Brand, in der sie die Häftlinge vorher eingeschlossen hatten. Mehr als 80 Menschen wurden dabei ermordet. Wenig später trafen US-amerikanische Truppen in Abtnaundorf ein. Ihre Fotografien und Berichte über das Massaker waren wichtiger Bestandteil der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Am Massaker von Abtnaundorf waren nicht nur Mitglieder der SS beteiligt. Auch Angehörige der Leipziger Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und des Volkssturms Schönefeld gehörten zu den Tätern, ebenso wie etwa 35 Männer des Erla-Werkschutzes und Feuerwehrleute aus dem Erla-Hauptwerk. Fast alle Täter wurden bis 1947 durch US-amerikanische Behörden ermittelt und zur Fahndung aus­geschrieben. Dennoch wurden die Verfahren erst 1975 eingeleitet. Die Ermittlungen dauerten mit zeitlichen Unterbrechungen bis 1990 und wurden schließlich eingestellt. Nur der Personalleiter Walter Wendt kam 1947 vor Gericht.

1958 wurde ein Obelisk zur Erinnerung an die Opfer des Massakers errichtet. Das Mahnmal ist heute zentraler Gedenkort der Stadt Leipzig für die Opfer des Nationalsozialismus.

Quellen/ Literatur

Karl-Heinz Rother / Jelena Rother: "Die Erla-Werke GmbH und das Massaker von Abtnaundorf", 2013.

Endpunkte des Terrors: Todesmärsche & Kriegsendphaseverbrechen in Abtnaundorf und Gardelegen

https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/de/zwangsarbeit-in-leipzig/mahnmal-abtnaundorf (Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig, ausführliche Informationen zum KZ-Außenlager "Leipzig-Thekla" und zum "Massaker von Abtnaundorf")