Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Andrei Iwanowitsch Moiseenko

Andrei Iwanowitsch Moiseenko (*1926)

Andrei Iwanowitsch Moiseenko wurde 1926 im Norden der Ukraine in eine bäuerliche Familie geboren. Seine Eltern starben früh, so dass er bereits mit 15 Jahren die Verantwortung für sich und seine fünf jüngeren Geschwister übernehmen musste.

Kurz darauf besetzte die Wehrmacht die Region. Andrei wurde auf der Straße von deutschen Soldaten verhaftet, zum nächsten Bahnhof gebracht und ins Deutsche Reich verschleppt – zur Zwangsarbeit nach Leipzig. Im Interview beschrieb er die Situation so: „Sie sagten, dann fährst du nach Deutschland, verdienst Geld und kommst zurück, um die Geschwister zu versorgen. Sie setzten mich aufs Fahrzeug und so kam ich nach Deutschland, nach Leipzig. Man brachte mich zum Arbeitsamt. […] Ich war erst fünfzehn oder sechzehn Jahre alt.“

In Leipzig musste er zwei Jahre lang beim Rüstungsbetrieb HASAG arbeiten, anfangs in der Produktion, später im Ersatzteillager. Da er in der Zwischenzeit etwas Deutsch gelernt hatte, freundete er sich mit einem älteren deutschen Arbeiter an. Im Februar 1944 jedoch wurde er gemeinsam mit sechs anderen polnischen und sowjetischen Zwangsarbeitern plötzlich verhaftet und verdächtigt, Anführer einer Widerstandsgruppe zu sein. Die jungen „Ostarbeiter“ wurden in das „Ausländergefängnis“ der Gestapo in der Riebeckstraße 63 gesteckt.

Zwei Monate später wurde Andrei Iwanowitsch schließlich in das KZ Buchenwald eingewiesen. Hier kam er direkt nach der Ankunft in das „Kleine Lager“, in dem der Tod allgegenwärtig war. Mehrere Monate musste Andrei im gefürchteten Steinbruch arbeiten. Im Herbst 1944 überstellte die SS ihn ins Außenlager Wansleben, wo KZ-Häftlinge in unterirdischen Hallen Granatzünder, Flugzeugmotoren sowie Teile der V1 und V2 Raketen produzierten. Hier arbeitete Andrei Iwanowitsch bis zur Befreiung durch US-amerikanische Truppen am 14. April 1945.

Bereits wenige Wochen nach seiner Befreiung wurde er in die Rote Armee eingezogen und einer Garnison in Belarus zugeteilt, wo er als Fahrer diente. 1950 schied er aus der Armee aus und entschied sich, in Minsk zu bleiben. Andrei Iwanowitsch studierte und arbeitete als Zeichner im Konstruktionsbüro eines großen Maschinenherstellers. 1952 heiratete er seine große Liebe, sie bekamen zwei Söhne.

Noch heute lebt er in Minsk, wo er in der Geschichtswerkstatt und in dem Klub "Liebhaber der deutschen Sprache" Hannes Farlock kennenlernte. Farlock arbeitete zu dieser Zeit in Belarus und entschied sich bald, einen Film über Andrei Iwanowitsch zu drehen: „So einen außergewöhnlichen Menschen hatten wir zuvor noch nie getroffen. Nicht mit seinem Schicksal hadernd, jedem Tag und jedem Menschen mit Neugier begegnend, leidensgeprüft aber nicht verbittert, heiter.“ Vier Jahre dauerten die Produktionsarbeiten zu „Ja, Andrei Iwanowitsch“ („Ich, Andrei Iwanowitsch“), und im Oktober 2018 feierte der Film seine Weltpremiere auf dem Orlando Film Festival in den USA.

Als Andrei Iwanowitsch Moiseenko und Hannes Farlock im April 2018 in Buchenwald zu Gast waren, besuchten sie auch Leipzig und die Gedenkstätte für Zwangsarbeit. In einem langen Gespräch schilderte Andrei seine Erinnerungen an die Zwangsarbeit bei der HASAG, den Aufenthalt im Gestapo-Gefängnis sowie die Zeit im KZ Buchenwald.

Mehr Informationen zum Film: http://www.andrei-iwanowitsch.de/

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