Gedenkstätte Zwangsarbeit in Leipzig - Gedenkstätte

Standort

Die Gedenkstätte befindet sich im Leipziger Nordosten auf dem historischen Gelände des ehemaligen Stammwerkes der Hugo-Schneider Aktiengesellschaft (HASAG). Während des Zweiten Weltkriegs war die HASAG der größte Rüstungsbetrieb in Sachsen und einer der Hauptprofiteure von NS-Zwangsarbeit. Heute ist das Areal ein Wissenschaftspark, auf dem unter anderem das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung angesiedelt ist. Als Teil dieses Wissenschaftsstandortes ist die Gedenkstätte in Gebäude 0.1 untergebracht.

 

Ziele und Aufgaben

Erinnerung und Gedenken

Die Gedenkstätte erinnert am authentischen Ort des Zwangsarbeitens an die Opfer, das Unrecht und die Geschichte des NS-Zwangsarbeitseinsatzes in Leipzig und dessen Folgen. Am Standort der HASAG, dem ehemals größten Rüstungsbetrieb Sachsens, erinnert sie exemplarisch an den Arbeitseinsatz tausender ziviler Zwangsarbeiter_innen, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge während des Zweiten Weltkriegs im städtischen Raum.
Die Gedenkstätte ist Ansprechpartnerin und Anlauflaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiter_innen und deren Angehörige. Sie nimmt Anfragen nach ehemaligen Zwangsarbeiter_innen und Orten der NS-Zwangsarbeit entgegen, bearbeitet diese und erteilt Auskünfte.

Dokumentation und Forschung

Die Gedenkstätte sammelt Dokumente ehemaliger Zwangsarbeiter_innen und Reproduktionen aus anderen Archiven. Die Sammlungen stellen eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung von Anfragen und für die wissenschaftliche Dokumentation und Erforschung von NS-Zwangsarbeit in Leipzig dar. Die Gedenkstätte unternimmt Nachforschungen in anderen Archiven und unterstützt Schüler_innen, Studierende und Wissenschaftler_innen bei ihren Forschungen.

Information und Bildung

Mit einer Dauerausstellung und Führungen informiert die Gedenkstätte vor Ort über die Geschichte von NS-Zwangsarbeit in Leipzig und bei der HASAG. Mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm, bestehend aus Stadtteilrundgängen, Vorträgen, Lesungen und Filmvorführungen an verschiedenen Orten in Leipzig, möchte die Gedenkstätte die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt Leipzig während der Zeit des Nationalsozialismus anregen, fördern und vertiefen.

Mit ihren Bildungsangeboten möchte die Gedenkstätte Interessierte für das während der Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht sensibilisieren, ein kritisches Geschichtsbewusstsein fördern sowie Reflexionen in Bezug auf die Gegenwart und die Auseinandersetzung mit heutigen Erscheinungsformen von Rassismus, Antisemitismus, Antiromaimus und anderen menschenverachtenen Einstellungn anregen.

Geschichte der Gedenkstätte

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig wurde 2001 eröffnet. Sie war deutschlandweit die erste Einrichtung, die sich explizit dem Schicksal der Zwangsarbeiter_innen im Nationalsozialismus widmete.

Bereits zu DDR-Zeiten hatte es von Seiten ehemaliger Zwangsarbeiter_innen Initiativen zum Aufbau einer Gedenkstätte gegeben. Doch erst nach 1990 verstärkten sich die Bestrebungen. Den Anstoß zur Errichtung einer Gedenkstätte am authentischen Ort gab letztlich der Besuch einer Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen bei der Geschäftsleitung des Umweltforschungszentrums. Vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter_innen Ende der 1990er Jahre konnte der Förderverein - unter Vorsitz von Frau Charlotte Zeitschel - mit der Unterstützung durch das Umweltforschungszentrum, die Gedenkstätte Buchenwald sowie viele engagierte Einzelpersonen den Aufbau einer Gedenkstätte vorantreiben. 

Im Mai 2000 bekannte sich die Stadt Leipzig in einer Ratsresolution zu ihrer historischen Verantwortung und verabschiedete ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiter_innen. Dieses sah neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung die Einrichtung einer Gedenkstätte vor. Am 12. Dezember 2001 wurde die Gedenkstätte im Beisein ehemaliger Zwangsarbeiter_innen feierlich eröffnet.

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